Nein, ich meine keine unrasierten, bleichen Elektronikjunkies, die durch das Eindringen in geheime Regierungsserver die Weltrevolution auslösen wollen. Jedenfalls nicht nur.
Ich meine Menschen, die sich auf ein Thema konzentrieren können, ohne sich ablenken zu lassen (Nerds), die dieses Thema auseinandernehmen bis sie es komplett verstanden haben und dann wieder zu etwas neuem zusammensetzen, das besser funktioniert als vorher (Hacker) und dabei Traditionen, eingefahrene Strukturen und verhärtete Meinungsfronten außer Acht lassen (Radikale).
Durch die intensive Nutzung der modernen Medien hat die Piratenpartei den Vorteil fast wie ein Schwarm denken, aber auch fühlen zu können. Einige Themen wurden so schon gut durchdacht andere werden durch die steigende Mitglieder- und Sympathisantenzahl hinzukommen.
Ich bebobachte im Netz viele sachliche, aber auch einige stark emotional geführte Diskussionen. In und um die Piratenpartei scheinen sich Menschen versammelt zu haben, die bei Themen wie Energie- oder Sozialpolitik, welche noch nicht im Wahlprogramm vorkommen, ein großes Meinungsspektrum mitbringen.
In einigen Bereichen gibt es wenige Profis, die sich mit dem Thema auskennen. So kann der Schwarm nicht viel Erkenntnisse, sondern nur Gefühle oder unzureichend gefilterte Informationshaufen zusammentragen. Auf keimform.de hat ein Blogpost eine passende Überschrift: "Die Piratenpartei auf dem Weg vom Schwarm zum Mob" (den Rest habe ich noch nicht gelesen).
Ich finde es gut, dass sich nicht alle Menschen mit allen Themen auskennen und ich denke, dass es auch gut ist, wenn Menschen gefühlsmäßig handeln und wählen. Einige Themen lassen sich auch nur gefühlsmäßig betrachten (sowas wie "wollen wir Freiheit und Demokratie?"). Andere Themen können durch logisches Verknüpfen von empirischem oder evidentem Wissen behandelt werden (wissenschaftlich, sachlich). Das muss eine Partei dann auch tun, wenn sie sich nicht in die Fänge der Lobbyisten begeben will.
Ich glaube auch, dass es bei vielen Themen auf der ganzen Welt nur wenige Profis gibt. Die radikalen Hackernerds können erstens Profis für ein Thema werden, auch wenn sie es noch nicht sind, und können zweitens die Informationsflut des Schwarms in langen konzentrationsgeschwängerten Sessions filtern und zu Sinnvollem zusammensetzen.
Die Piratenpartei muss ihre Mittel einsetzen um diese Gattung von Menschen dabei zu unterstützen an den Themen so zu arbeiten, dass die Ergebnisse allen Menschen dienen, und nicht wie die Arbeit von Lobbyisten kleiner aber finanzstarker Interessengruppen die Welt in den Untergang treibt.
Achso, dann hat Jens Scholz noch was über Nerds geschrieben. Hab ich aber auch noch nicht gelesen.
